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Blackwood Crossing im Test

Ein Zugabteil. Wir wachen auf, unser Bruder verschwunden. Seine Stimme dringt an unser Ohr und wir begeben uns auf die Suche nach ihm. Wir eilen von Abteil zu Abteil, stets geleitet von seiner Stimme, bis plötzlich eine seltsame Gestalt vor uns steht: Ein menschlicher Körper mit Hasenkopf, demjenigen aus Donnie Darko nicht unähnlich. Schnell wird klar, dass wir uns in Blackwood Crossing auf eine surreale Reise durch die Erinnerungen unseres Hauptcharakters Scarlett begeben werden.

Scarlett und ihr Bruder Finn sind Waisenkinder, was genau geschehen ist steht hier nicht im Mittelpunkt, sondern die Beziehung der Geschwister nach dem Tod ihrer Eltern. Ein sehr düsteres Thema, doch schaffen die englischen Entwickler von PaperSeven mit ihrem Debut durchaus leichtere und aufhellende Momente in ihrem Spiel unterzubringen. Teilweise verstörend, oft bedrückend, scheint dennoch die kindliche Leichtigkeit von Finn durch und lässt einen nicht unter dem Mantel des düsteren Themas ersticken.

Während wir uns vorwiegend von Punkt A zu Punkt B bewegen, stellen sich ab und zu Rätsel in den Weg, die es für das weitere Voranschreiten zu lösen gilt. Dazu gilt es meist „Dinge“ zu finden. Sei es ein Abteil voller Menschen, deren Gesprächspartner aber an einem komplett anderen Ort stehen, anstatt gegenüber oder ein verlassener Wagon, indem alte Bilder verstreut sind; im Zentrum steht stets die Suche. Diese wiederspiegelt zwar das übergreifende Thema und gibt uns in pointierten Abständen die Zeit dazu über das Geschehene nachzudenken, anstatt uns konstant an der Hand zu nehmen, doch kam ab und an leichte Frustration auf. Die Geschichte wollte weiter erlebt werden, doch stattdessen musste der letzte Gegenstand oder Gesprächspartner noch irgendwo gefunden werden und riss einen dadurch mehr aus der Welt, als das Erlebte zu verinnerlichen.

Nichts desto trotz ist die Geschichte von Blackwood Crossing herzerwärmend und bietet in seinen rund zwei bis drei Stunden Spielzeit mehr Tiefe als so manch anderes Spiel. Dazu trägt auch die hervorragende Präsentation bei, welche sich in einem leicht angehauchten Comicstil in plastischem 3D präsentiert. Obwohl durchaus beklemmende Szenarien vorhanden sind, ist es der bunte Stil, der für eine gewisse Leichtigkeit sorgt.

Das Team schafft es die Interaktionen zwischen Scarlett und Finn glaubhaft rüber zu bringen und die Charaktere zum Leben zu erwecken. Wir leiden mit, wir freuen uns über Kleinigkeiten und wer am Ende nicht zumindest einen Kloss im Hals hat, hat hier wohl das falsche Spiel erwischt. Nur in Momenten der Wiederverwendung von Schauplätzen, wird uns die Grösse des kleinen Teams wieder ins Bewusstsein gerufen und die dadurch entstandene Limitierung des Umfangs bewusst. Dies gerade dadurch, weil wir es mit solch einem hochpolierten Werk zu tun haben.

Blackwood Crossing bietet mit seiner andersartigen Geschichte, den herzlichen Charakteren und der bezaubernden Präsentation genügend frischen Wind, um gerade für Liebhaber des Genres relevant zu sein. Von uns gibt es jedenfalls, trotz kleiner Makel, beide Daumen nach oben. Seit Life is Strange sind uns selten Charaktere so schnell ans Herz gewachsen.

Blackwood Crossing ist für PC, PS4 und Xbox One für €15,99 erhältlich.

Verfasst von Patrick am 23. Mai 2017

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