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Branching Paths – Eine Doku über japanische Indies
Review

Branching Paths – Eine Doku über japanische Indies

Zum ersten Mal haben wir es mit einem wortwörtlichen Angeschaut zu tun, denn Branching Paths ist eine Dokumentation über die Entwicklung der Indie Szene in Japan. Neben dem sehr erfolgreichen Indie Game: The Movie und dem letztjährig erschienenen GameLoading: Rise of the Indies, ist dies bereits die (uns bekannte) dritte Dokumentation in Spielfilmlänge, welche sich ausschliesslich mit der Indie Bewegung befasst.

Aus der Ferne betrachtet

Als Mosaik von Entwicklern und Publishern wird die Doku vermarktet, was doch sehr treffend als Beschreibung ist. Das Problem mit dem Mosaik: Es verliert sich in Zeit und Raum, da die Doku der japanischen Szene chronologisch für zwei Jahre folgt und dies für den Zuschauer mehr oder weniger der einzige Anhaltspunkt ist, wo er sich gerade befindet.

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Branching Paths besteht mehrheitlich aus Interviews. Während zwar gewisse Personen über die gesamte Dauer vermehrt auftauchen, fehlt der Dokumentation ein roter Faden oder eher eine Geschichte, die im Mittelpunkt steht. Die Doku stellt mehrheitlich eine Übersicht über die japanische Szene dar, ähnlich wie es GameLoading mit der westlichen Szene getan hat, aber der „Stanley Parable„-Moment fehlt, selbst wenn dies im Ansatz mit Downwell versucht wurde zu ermitteln.

Ein interessanter Einblick ohne Tiefgang

Abgesehen davon liefert Branching Paths interessante Eindrücke in den japanischen Markt, die so bisher noch nicht vermittelt worden waren. Gerade die Szene der Doujin, einer Art Subkultur der Indie Szene bei der einzig und allein aus Liebe zum Spiel Kreationen erstellt werden und Vermarktung keine Rolle spielt, ist hierzulande völlig unbekannt.

Auch die Erkenntnis, das Entwickler wie Q-Games in Japan angesiedelt sind, neben vielen anderen Prominenten Vertretern, war ein interessanter Aspekt. Die Doku bleibt dabei aber stets sehr oberflächlich und bietet mehr einen Überblick, als in die Tiefe zu gehen. So bleibt zum Beispiel die Frage, warum ausländische Entwickler sich den Standort Japan ausgesucht haben völlig unbeantwortet.

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Auch liefern die Aussagen der japanischen Entwickler zur hiesigen Szene konträre Ansichten. Zu Beginn wird erzählt, wie überraschend hoch der Anteil japanischer Backer einer lokalen Kickstarter Kampagne war und das diese die Mehrheit ausgemacht haben. Zu Ende hin wird jedoch behauptet, der Markt für japanische Indies liegt nach wie vor in Übersee. Andererseits zeigt dies auch die schwierigen Konstellationen in einem Markt auf, der vorläufig von mobile Geräten dominiert wird und der Absatz für PC Spiele verschwindend gering ist.

Empehlenswert, unter Vorbehalt

Wer mal etwas anderes zum Thema Indie Games sehen will, obwohl auch hier kurz westliche Veranstaltungen wie das IGF kurz angesprochen werden, der kann mit Branching Paths nichts falsch machen. Und seien wir mal ehrlich, all zu viele Dokumentationen über lokale Indie Szenen gibt es bisher nicht. Die Doku liefert frischen Wind und erinnert stellenweise auch an die Schweizer Indie Szene, welche Probleme es noch zu bewältigen gibt und wo sie in den nächsten paar Jahren stehen könnte.

Es sei geraten die Doku auf einer anderen Plattform als Steam zu kaufen, da diese dort nur als Stream verfügbar ist und nicht lokal gespeichert werden kann. Ausserdem gibt es die Doku nur im O-Ton mit englischen Untertiteln. Die Interviews sind in Japanisch und Englisch, während die Narration in Französisch statt findet. Ein kunterbunter Mix, welcher perfekt zur japanischen Indie Szene passt.

Verfasst von Patrick am 4. August 2016

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