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Review

That Dragon, Cancer bringt Spieler zum Weinen

That Dragon, Cancer handelt vom 5-jährigen Joel, der an Krebs starb. Das Spiel lässt uns an verschiedenen Stationen seines Lebens teilhaben und schildert uns dabei die emotionale Verfassung der Eltern. Leider ist dies keine ausgedachte Geschichte, sondern die Verarbeitung der Ereignisse seiner zurückgebliebenen Eltern.

Die Entwickler, zugleich die Eltern, vergleichen das Gameplay mit Telltales Spielen, wobei dies aus meiner Sicht nicht ganz zutrifft. Ein Cibele oder The Beginner’s Guide kommt dem Spiel viel näher. Beide befassen sich mit persönlichen Geschehnissen und verzichten dabei weitestgehend auf Gameplay. In That Dragon, Cancer können wir uns nicht frei bewegen, sondern klicken jeweils auf den nächsten Wegpunkt. Ähnlich verläuft die Interaktion mit Gegenständen. Durch insgesamt 14 Kapitel spielen wir uns auf diese Art und Weise innerhalb von rund zwei Stunden.

Spielerisch eine Katastrophe

That Dragon, Cancer ist kein gutes Spiel. Hin und wieder begegnen wir Minispielen, wie zum Beispiel ein an Mario Kart angelehntes Rennen oder einem simplen Plattformer. Diese Elemente sind, gelinde gesagt, eine absolute Katastrophe, Gameplay um des Spieles Willen, und wären überhaupt nicht notwendig gewesen. Mit weniger Spiel wäre That Dragon, Cancer ein besseres Spiel, denn es glänzt in seinen stillen Momenten in denen ein Monolog die Szene beherrscht.

Ein Moment im Spital sticht besonders hervor, als Joel einfach nicht aufhören will zu weinen, zu schreien und wir nichts dagegen tun können. Schon von der ersten Sekunde an vermittelt das Spiel eine bedrückende Stimmung, aber bei dieser Szene brachen bei mir alle Dämme und ich hatte noch bis zum Ende Tränen in den Augen. Der Fakt, dass diese Schreie echte Aufnahmen von Joel sind, macht das Ganze nur noch schlimmer.

Als das Spiel im späteren Verlauf Religion und Glauben immer stärker in den Vordergrund rückte, verlor es mich für einen kurzen Moment. Schnell konnte ich aber über diesen kleinen Dorn im Auge wieder hinweg sehen, denn dies ist nicht mein Spiel; es sind die Erinnerungen von Eltern an ihr viel zu früh verstorbenes Kind. Alleine die Tatsache, dass ich dies anhand eines Textes bewerte ist absolut obszön. Ich konnte mich mit dem Thema Religion abfinden, denn ich konnte nachvollziehen, dass die Eltern irgendeine Quelle der Hoffnung brauchten.

Am Ende ist alles Pfannkuchen

Wären wir emotionslose Roboter, welche Spiele mit absoluter Objektivität bewerten, bekäme That Dragon, Cancer keine guten Noten. Technisch gesehen ist es einfach kein gutes Spiel. Es hat Probleme mit dem Pacing, schlecht programmierte Elemente und viele nicht nachvollziehbare Metaphern, aber all dies ist ok. Das Spiel ist so authentisch und privat, dass sich uns Spielern nicht alles erschliesst; als würden wir im Tagebuch eines Unbekannten lesen.

Was das Spiel trotzdem zu einem der Wichtigsten überhaupt macht, ist seine emotionale Wucht. Ich möchte, dass mich Spiele bewegen und noch nie musste ich soviel weinen wie bei That Dragon, Cancer und trotz der vielen Mängel ist dies eines der grössten Komplimente, die ich einem Spiel geben kann.

Verfasst von Patrick am 13. Januar 2016