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Hyper Light Drifter – Die motivierende Art zu sterben
Review

Hyper Light Drifter – Die motivierende Art zu sterben

Oktober 12, 2013, das Datum an dem Hyper Light Drifter erfolgreich auf Kickstarter mit einer Summe von $645’158 finanziert wurde. Rund zweieinhalb Jahre später liegt uns nun das fertige Produkt vor. Wie hat sich das Spiel entwickelt im Vergleich zu unserem damaligen Preview im November 2014?

Hyper Light Drifter fängt sogleich mit einem Paukenschlag an. Das Intro setzt den Ton für das gesamte Spiel: Leicht psychedelisch, arthousig, stellenweise brutal und geheimnisumwoben. Ich will es euch nicht vorenthalten, hier das Intro in voller Länge:

Das Action Rollenspiel nimmt uns nicht bei der Hand. Es gibt keine Texte, keine Sprachausgabe, selbst die Steuerung müssen wir selber entdecken. Diese ist simpel gehalten und geht intuitiv von der Hand, wobei empfohlen wird mittels Gamepad zu spielen. X für Schwerthiebe, Schultertasten zum Zielen und Schiessen mit der Waffe dazu noch A für unseren Vorzeigemove: Den Dash. Damit überwinden wir innert Sekundenbruchteilen mehrere Meter, sogar Abgründe.

Durch die Absenz einer führenden Hand macht sich Nostalgie breit. Ich fühle mich zurückversetzt in eine Zeit, als wir vor dem Starten eines Spieles praktisch nichts darüber wussten und die Welten sorgfältig erkundet werden wollten. Ein Grossteil des Spieles besteht aus eben besagten Erkunden der detailverliebten Welt. Überall lauern versteckte Abzweigungen, geheimnisvolle Türen und leicht zu übersehene Schätze. Die Welt ist in vier unterschiedliche Gebiete, verknüpft durch eine Stadt in der Mitte, aufgeteilt.

Während die Karte bereits eine grosse Spielwelt vermuten lässt, so ist sie in Wahrheit noch etwas weitläufiger und durch das verwinkelte Design ist die Übersicht nicht leicht zu erlangen. Die aufrufbare Karte ist dabei sehr schlicht gehalten und wiederspiegelt nur unsere ungefähre Position anstatt sämtliche Details zu zeigen, wodurch zwar das Entdecken auf eigene Hand gefördert wird, aber wer effizient von Punkt A nach B gelangen will muss die Gebiete bereits ausgiebig erkundet haben, andererseits verläuft man sich schnell.

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Der zweite Teil des Spieles besteht aus Kämpfen. Habt ihr Dark Souls gespielt? Gut, dann wisst ihr was euch erwartet, alle anderen seien hiermit vorgewarnt: Hyper Light Drifter ist sehr fordernd. Praktisch keinen Kampf habe ich gleich beim ersten Mal geschafft. Das erste Zusammentreffen mit einem Boss endet normalerweise innerhalb von wenigen Sekunden. Das Action Spektakel erinnert teilenweise an Nuclear Throne, ab der schieren Masse an Geschossen die euch um die Ohren fliegen und der Anzahl an Gegner auf dem Bildschirm.

Das Spiel speichert jedoch meist fair vor dem Betreten eines neuen Raumes, wobei manche Räume aus mehreren Hinterhalten bestehen können. Dies kann sehr schnell frustrierend werden und ich bin beileibe kein Freund knallharter Spiele, aber bei aller Härte bleibt Hyper Light Drifter stets fair. Die Lernkurve ist sehr steil und Räume, welche man zuvor nur mit Müh und Not hatte meistern können, werden später ohne einen Kratzer abzubekommen durchquert.

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Analog Dark Souls liegt die Kunst des Kampfes in der Geduld. Wer gierig nach „dem einen Schlag mehr“ wird, wird durch den Tod belohnt. Jeder Gegner hat sein eigenes Angriffsmuster und sobald dies durchschaut ist stellen diese einzeln kein Problem mehr dar. Alleine die Übersicht in besonders hektischem Getummel zu behalten und rechtzeitig zu reagieren stellt die wahre Herausforderung dar. Die Kämpfe haben ein hohes Tempo und eine rasche Reaktionsgeschwindigkeit ist gefragt.

Besonders Bosse können einem das Leben schwer machen, aber sobald die Angriffsmuster einverleibt sind stellen diese mehr eine Geduldsprobe dar. Nicht gierig werden, immer schön abwarten und keine dummen Fehler machen. Bei jedem Tod wird ein Stück mehr gelernt, kein Rückschlag sondern ein Fortschritt. Dies motiviert auch nach dem zehnten Versuch nochmals den Kampf mit einem Boss aufzunehmen. Frustration machte sich während der gesamten Spielzeit von rund sieben Stunden nie breit. Nach einem Tod stellte sich viel mehr die Frage: Was habe ich falsch gemacht und wie kann ich die Situation besser angehen?

Fazit

Was ist Hyper Light Drifter? Die Atmosphäre und Detailverliebtheit eines FEZ, die Farbpalette von Transistor, Action-Sequenzen à la Nuclear Throne und ein fairer aber fordernder Schwierigkeitsgrad auf Augenhöhe mit Dark Souls. Nicht zu vergessen den Charme der früheren Zelda Spiele.

Hyper Light Drifter ist inspiriert von vielen Spielen und setzt diese zu einer Mischung zusammen, die einen gnadenlos in seinen Bann zieht und bis zum Abspann nicht mehr gehen lässt. Ein kunstvolles Vergnügen, leicht masochistisch aber durchaus belohnend, dessen Welt ich in voller Gänze noch nicht verstanden habe und mich darauf freue weiter darin einzutauchen. Es ist rar, dass mich ein Spiel stundenlang nicht mehr loslässt, aber dieses Jahr hat es echt in sich und mit Hyper Light Drifter haben wir einen weiteren Kandidaten für meine persönliche Top 10 des Jahres.

Verfasst von Patrick am 5. April 2016

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