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VR ist gekommen, um zu bleiben
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VR ist gekommen, um zu bleiben

Morgen erscheint mit der PSVR die letzte virtuelle Brille der grossen drei: Oculus, HTC und Sony. Während die Oculus und HTC Vive sich auf den PC-Markt beschränken, ist die PSVR ausschliesslich mit der Playstation 4 und kommenden Generationen kompatibel.

Kein Thema hat in den letzten Jahren für hitzigere Diskussionen als die virtuelle Realität gesorgt. Gegner wie Befürworter lagen sich regelrecht in den Haaren und manch einer liess eine Diskussion resigniert fallen aufgrund der verhärteten Fronten. Das kürzliche PlayStation VR Pre-Launch Special von Giantbomb goss erneut Öl ins Feuer aufgrund der technischen Probleme mit der Brille. Ob das Team ein Montagsmodell erwischt hatte oder die PSVR grundlegend technische Mängel aufweist, kann zu diesem Zeitpunkt nicht beantwortet werden und soll hier auch keine Rolle spielen.

Während wir uns hier vorwiegend auf den Anwendungsbereich der Videospiele in der virtuellen Realität beschränken, wird in Diskussionen oft vergessen, dass VR nicht darauf limitiert ist. Filme, Sportübertragungen, medizinale Anwendungen, das Feld ist weit offen und sogar die diesjährige Ausgabe des Musik Festival Coachella wurde in Teilen in VR übertragen.

Das Potential beflügelt die Fantasie

Fakt ist, wer noch nie eine der modernen VR-Brillen selber aufgehabt habt, ist nicht qualifiziert sich an einer Diskussion zur Zukunft von VR zu beteiligen. Es wird ein völlig neues Spielerlebnis geboten, dass schlicht unvorstellbar ist. Zugegeben, die heutigen erhältlichen Brillen befinden sich technisch noch nicht auf dem optimalen Stand. Die Auflösung der Displays ist noch eine Spur zu gering und durch die Nähe des Bildschirms zu den Augen sind einzelne Pixel stets erkennbar.

Wer aber einmal eine moderne VR-Brille aufgehabt hat, erkennt sofort das unendliche Potential. Die Technik steckt eben noch in den Kinderschuhen. Trotz der geringen Auflösung von nur 640×800 Pixel pro Auge, konnte das Oculus DK1 vor rund dreieinhalb Jahren einen Hype auslösen, der bisher nicht abgeklungen ist und dazu geführt hat, dass unzählige Firmen auf den VR-Zug aufgesprungen sind. Die eigene Vorstellungskraft sah über die technische Minderwertigkeit hinweg und erkannte das zukünftige Potential. Im direkten Vergleich des ersten Prototyps der Oculus mit der heutigen Konsumentenversion oder dem technischen Flaggschiff HTC Vive, ist der rasante Fortschritt der letzten Jahre kaum zu glauben. Die Vorstellung ist beinahe Realität geworden und mittlerweile können wir uns sogar im begrenzten Rahmen im virtuellen Raum fortbewegen.

Neue Konventionen sind gefragt

VR steckt in den Kinderschuhen und damit auch die dafür entwickelten Spiele. Alteingesessene Konventionen sind nicht mehr anwendbar. Die gewohnte Steuerung des Charakters mittels Analog-Sticks führt in VR sehr schnell zu Übelkeit. Der Körper kommt damit einfach nicht klar. Ein Punkt, den ich bisher aus sämtlichen Präsentationen über VR heraus gehört habe: Wir wissen nicht was wir tun. Jeder Entwickler ist noch in der Experimentierphase und nur langsam entwickeln sich neue Standards. Nach wie vor ist die Lokomotion ein grosses Problem, wobei sich die Teleportation vorwiegend als magenschonende Variante durchgesetzt hat. Dabei zielt der Spieler auf einen Punkt am Boden und beamt seinen Charakter anschliessend dorthin .

Neue Konventionen heisst auch, dass der Spieler mit neuen Erfahrungen konfrontiert wird. Die allseits beliebten Shooter-Sequenzen, welches sich in fast allen beliebten AAA-Spieleserien vorfinden, funktionieren in VR nicht. Der gesamte VR-Markt ist momentan ein riesiger Spielplatz für kreative Entwickler und die erhältlichen Spiele weisen einen hohen Indie-Charakter auf. Aufgrund dessen wird oftmals laut geschrien, dass keine „richtigen“ Spiele für VR erhältlich sind. Während unzählige Spiele durch VR nochmals erheblich bessere Erlebnisse bieten, wie zum Beispiel Superhot oder Keep Talking and Nobody Explodes, gibt es auch bereits eine grosse Anzahl an VR-exklusiven Spielen, welche mit dem Launch der PSVR nochmals um einige Titel ergänzt wird. Der Spieler muss nur dafür bereit sein, den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen.

VR ist geil!

Was bei der Diskussion um VR häufig untergeht: VR ist geil! Der erste Abstieg in die virtuelle Realität beschert Spieler ähnliche Erlebnisse, wie sie in ihrer Kindheit erlebt haben, als sie zum ersten Mal ein Videospiel gespielt haben und nicht grundlose wurden bereite hunderte von Millionen in die Weiterentwicklung der Technik gesteckt.

Schlecht reden lässt sich alles. Sex ist auch anstrengend und macht müde. Klar verliert VR mit steigender Benutzung an Faszination, der Mensch gewöhnt sich schnell an Dinge (dies gilt übrigens auch für motion sickness). Beim Einschalten eures Full HD Fernsehers werdet ihr heute auch nicht mehr jedes Mal von der gestochen scharfen Bildqualität schwärmen. Falls jetzt jemand auf die Idee kommt, VR mit 3D Fernsehern zu vergleichen: Lasst es. 3D war schlicht weg da, um die Verkäufe von Geräten anzukurbeln und VR entstand aus einer völlig anderen Motivation heraus.

Kaufen oder nicht kaufen?

Es bleibt noch eine Frage zu klären: Lohnt es sich bereits jetzt ein VR-Headset zu kaufen? Wer eine Affinität zu Indie Games aufweist, dem wird bereits jetzt einiges an Futter geboten und gerade auf dem PC ist bereits eine unüberschaubare Anzahl an Spielen und Erfahrungen erhältlich. Preislich muss momentan aber noch tief in die eigene Tasche gegriffen werden:

Preise* für VR-Brillen:

  • PSVR 479.-
  • Oculus Rift 799.– (899.– US-Import)
  • HTC Vive (inkl. 2 controller) 899.–

Die PSVR stellt deutlich die günstigste Variante dar, für Leute welche bereits eine Playstation 4 inklusiver Playstation Kamera (und die optionalen Move-Controller) besitzen. Durch den geringeren Preis und die höhere Einsteigerfreundlichkeit, weist die PSVR mit bereits über 40 Millionen verkauften Playstation 4 Konsolen zur Zeit das grösste Potential auf.

Wer einfach nur einen Eindruck von VR gewinnen möchte und dem die nötige Hardware fehlt oder nicht bereit ist, hunderte von Franken in neue zu investieren, kann sich auch einfach das kostengünstige Google Cardboard erstehen. Ein Smartphone hat heutzutage schliesslich praktisch jeder. Auch das Gear VR ist eine kostengünstige Alternative, setzt aber ein Produkt der Samsung Galaxy Familie voraus.

Aufgrund der hohen Preise, welche ausserdem die richtige Hardware voraussetzen, rate ich persönlich noch zu warten mit einem Kauf. Die Technik ist schon sehr weit, aber noch nicht perfekt und wird sich in den nächsten Jahren nochmals massiv verbessern. Dabei wird hoffentlich auch die störende Anzahl an Kabel minimiert werden.

Hätte ich die nötigen finanziellen Mittel, würde ich mir jedoch ohne mit der Wimper zu zucken ein HTC Vive oder PSVR (die erhältlichen Spiele sind zu gut!) zulegen. Meine Reise mit VR hat vor drei Jahren mit dem DK1 der Oculus begonnen und ich bin noch immer absolut von VR begeistert. Es ist die absolute Immersion, Zeit und Raum verschwimmen und ich freue mich unglaublich auf die kommenden Spiele und zu sehen, wohin sich die Technik noch entwickeln wird, denn eines ist klar: VR wird uns so schnell nicht wieder verlassen und langsam Einzug in unseren Alltag finden.

*Aktuelle Preise von Digitec

Verfasst von Patrick am 12. Oktober 2016

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